10. Die Entwicklung der reformierten Kirche in Frankreich bis 1598

1598 verkündet Frankreichs Heinrich IV. das Edikt von Nantes, das den reformierten Christen in Frankreich Gleichberechtigung gewährt und gestattet, Gottesdienste an den meisten Orten zu feiern. Vorangegangen waren diesem Edikt seit 1562 acht Religionskriege.
Etwa ab dem Jahre 1535 verbreitet sich die reformierte Lehre in Frankreich. Es entstehen Gemeinden, zu denen sich Gläubige zusammenfinden. Das Vorhandensein der Genfer reformierten Kirche unter Führung des Franzosen Calvin führt dazu, dass sich die Evangelischen Frankreichs immer mehr nach Genf orientieren. 1559 tritt die Nationalsynode in Paris zusammen, die ein Glaubensbekenntnis (Confession de Foy) und eine Kirchenordnung (Discipline ecclesiastiques) verabschiedet und damit der Kirche ein Gefüge gibt. Bis 1562 ist etwa ein Drittel der französischen Bevölkerung evangelisch.
Jedoch leben die evangelischen Gemeinden von Anfang an unter schwierigen Bedingungen, weil sie in politische Zwistigkeiten verwickelt wurden. So beherrscht die Rivalität zwischen den (katholischen) Herzögen de Guise und den (evangelischen) Prinzen de Condé etwa ein halbes Jahrhundert das Geschehen; in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Katholiken und den Hugenotten, wie die französischen Evangelischen genannt werden (die Herkunft des Namens ist nicht sicher), geht es also nicht nur um die Religion. Die Könige sind in diesen Konflikten zumeist auf der Seite der Stärkeren. Und das sind bis 1585 zumeist die Katholiken, danach wendet sich das Blatt ein wenig. Neben kleineren Versuchen, das Nebeneinander beider Glaubensrichtungen zuzulassen, stehen Grausamkeiten und zahlreiche Massaker, unter denen die Bartholomäusnacht von 1572 herausragt, wo ein großer Teil des evangelischen Adels ermordet wird. Insgesamt kommt bei den Auseinandersetzungen und Kriegen der katholischen Mehrheit ein deutlich größeres Maß an Ungerechtigkeiten zu, obwohl man auch sagen muss, dass die Verteidiger oft vor Gewalt nicht zurückschrecken.
1589 wird Heinrich von Navarra der neue König Heinrich IV. Er stammt aus hugenottischen Kreisen, ist aber politischen Gründen 1593 zum Katholizismus übergetreten. Durch militärisches und diplomatisches Geschick bringt er die verfeindeten Parteien hinter sich und beendet dadurch die Religionskriege. Am 13. April 1598 verkündet er das Edikt von Nantes, das die rechtliche Grundlage für die Existenz des reformierten Kirchentums in Frankreich bildet. Erst 87 Jahre später wird es durch Ludwig XIV. im Edikt von Fontainebleau aufgehoben (dazu mehr in Lektion 5 des Grundkurses).