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GRUNDKURS REFORMIERT

 

 

Lektion 3
Johannes Calvin, die Reformation in Genf und die Anfänge der Reformation in Frankreich
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1.  Johannes Calvin, der Despot aus Genf?
2.  Kindheit und Studienjahre (1509 - 1535)
3.  Wann fand Calvins Bekehrung zur Reformation statt?
4.  Vom ersten zum zweiten Genfer Aufenthalt (1536 - 1541)
5.  Der Aufbau der Genfer Kirche
6.  Einige theologische Akzente
7.  Der Prozess Michael Servet
8.  Calvins letzte Jahre
9.  Theodor Beza - Nachfolger Calvins
10.Die Entwicklung der reformierten Kirche in Frankreich bis 1598

 

1. Johannes Calvin, der Despot aus Genf?

Über die Person Johannes Calvins ist etwas mehr bekannt als von der Person Huldreich Zwinglis. Und das ist insofern verständlich, als er ungleich wirkungsvoller gewesen ist als Zwingli; beinahe alle reformierten Kirchen auf der ganzen Welt beziehen sich auf ihn zurück; die Reformierten werden häufig Calvinisten genannt, obwohl sie sich selber so nicht bezeichnen.
Aber gleichzeitig ist es so, dass vor allem in Deutschland sehr negative Kennzeichnungen über Calvin immer noch häufig anzutreffen sind: Er sei der Despot aus Genf, der überaus streng und seiner Richtung alle anderen zu opfern bereit gewesen sei; er habe Servet hinrichten lassen; er habe die sogenannte doppelte Prädestinationslehre vertreten, nach der Gott die einen zum Heil, die anderen zum Unheil erwähle etc. Stefan Zweig hat 1936 in der Zeit des Nationalsozialismus ein Buch geschrieben: "Ein Gewissen gegen die Gewalt. Castellio gegen Calvin" und hat in literarisch geschickter Art den Despoten Hitler gemeint und Calvin gesagt - auch das hat in den vergangenen Jahrzehnten eher dazu beigetragen, das Bild Calvins in düsteren Farben zu zeichnen.
Es ist wahr, dass manche Züge Calvins den Menschen in der Moderne wohl eher fremd bleiben werden. Er ist ein Asket, der sein ganzes Leben in den Dienst der Reformation stellte und dabei streng vorgehen konnte. Aber wir werden uns bemühen müssen, ein differenziertes Bild wahrzunehmen. Denn dass von Calvin ein so verzeichnetes Bild existiert, liegt auch an den Konfessionsstreitigkeiten bis ins 20. Jahrhundert hinein. Im 17. Jahrhundert vor allem gab es Querelen und Streitereien zwischen den Konfessionen, gerade auch zwischen reformierten und lutherischen Christen. Es wurde diffamiert, unterstellt und nicht mehr fair dargestellt. Von allen Seiten ist viel Unrecht geschehen, auch von Reformierter. Und in diesem Zusammenhang entstand vor allem in Deutschland aufgrund vieler Schriften der insgesamt einflussreicheren Lutheraner ein Bild Calvins, das noch über Jahrhunderte fortwirkt und auch heute noch - wenn auch in abgeschwächter Form - in manchen Kirchengeschichts- darstellungen und populären Darstellungen weiterlebt.
Deswegen ist es gut, sich nicht von den Vorurteilen bestimmen zu lassen, sondern genauer hinzuschauen und zu fragen, wie Calvin gelebt, gelehrt und gewirkt hat.

 

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