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Lektion 3
Johannes Calvin, die Reformation in Genf und die
Anfänge der Reformation in Frankreich
(Druckversion) (Forum
zum Grundkurs)
1. Johannes Calvin, der Despot aus Genf?
2. Kindheit und Studienjahre (1509 - 1535)
3. Wann fand Calvins Bekehrung zur Reformation statt?
4. Vom ersten zum zweiten Genfer Aufenthalt (1536 - 1541)
5. Der Aufbau der Genfer Kirche
6. Einige theologische Akzente
7. Der Prozess Michael Servet
8. Calvins letzte Jahre
9. Theodor Beza - Nachfolger Calvins
10.Die Entwicklung der reformierten Kirche in Frankreich
bis 1598
3. Wann fand Calvins Bekehrung zur Reformation
statt?
Die Frage, wann Calvin seine Bekehrung hin zur Reformation
erfahren hat, ist Gegenstand unzähliger Untersuchungen, wobei die
Belege spärlich sind. Calvin gibt selber an, er habe solch eine Bekehrung
(subita conversio) erlebt. Im Psalmenkommentar von 1557 erinnert sich
Calvin im Rückblick:
"Zuerst war ich dem Aberglauben des Papsttums
so hartnäckig ergeben, daß ich aus einem so tiefen Schmutz
nur schwer herausgezogen werden konnte. Dann machte Gott durch eine
plötzliche Bekehrung mein Herz zahm und gefügig, obwohl ich
in meinem Alter in diesen Dingen schon sehr verhärtet war. Und
als ich erst einmal etwas Kenntnis von der wahren Frömmigkeit erlangt
hatte, wurde ich sofort von einem großen Verlangen ergriffen,
daraus Nutzen zu ziehen, daß ich die übrigen Studien zwar
nicht gänzlich aufgab, sie aber doch wesentlicher schwächer
betrieb. Nun war ich ganz verblüfft, als noch vor Jahresablauf
alle, die ein Verlangen nach der reinen Lehre hatten, sich um mich scharten,
um von mir zu lernen, obwohl ich selbst fast noch ein Anfänger
war."
(Zitiert nach: F. Wendel, Calvin, Neukirchen-Vluyn 1968,
23f.)
Calvin schreibt das im Rückblick, aber er gibt
keine Jahreszahl an. Es muss vor dem 4. Mai 1534 gewesen sein, denn da
reist Calvin nach Noyon und verzichtet auf seine Pfründen - und das
ist zu verstehen als Konsequenz seiner Abwendung vom Katholizismus. Die
Bekehrung könnte auch schon 1533 stattgefunden haben. Das ist dann
anzunehmen, wenn Calvin an der Abfassung der sogenannten Cop-Rede beteiligt
war. Das aber ist unsicher.
Der Mediziner Nikolaus Cop, Rektor der Pariser Universität, an der
auch Calvin studiert, hält am 1. November 1533 in der Kirche des
Mathurins eine Ansprache zur Semestereröffnung. Diese Ansprache,
eine Auslegung der Seligpreisungen aus der Bergpredigt, ist inhaltlich
ein Lob auf das Evangelium, Cop bekennt sich also zur Reformation. Die
Franziskaner, in deren Kirche die Rede gehalten wird, bezichtigen Cop
umgehend der Häresie, und einige Wochen nach der Rede flieht Cop
aus Paris in seine Heimatstadt Basel. Sehr kontrovers wird in der Calvin-Forschung
diskutiert, ob Cops Rede zum Teil jedenfalls von Calvin stammt. Wenn das
stimmt, wäre Calvin schon im Herbst 1533 reformatorischer Gesinnung
gewesen.
Im Oktober 1534 findet in Paris die sogenannte Plakataffäre statt.
Plakate gegen die Messe werden öffentlich ausgehängt; daraufhin
werden die "Lutheraner", wie man die reformatorisch Gesonnenen
bezeichnet, als Urheber dieser Verschwörung gegen die öffentliche
Ordnung und die Religion benannt. Calvin hatte im Vorfeld der Plakataktion
Aufmerksamkeit dadurch erregt, dass er sich offen zum evangelischen Glauben
bekannt und auch tatkräftig dafür geworben hatte. Jedenfalls:
Calvin flieht auch aus Paris und sucht nach einem ruhigen Aufenthaltsort,
um seine Studien fortsetzen zu können. Er beabsichtigt, einen Katechismus
für die französisch sprechenden Evangelischen zu schreiben.
So verzieht er in den ersten Wochen des Jahres 1535 nach Basel.
Letztlich wird man in der präzisen Datierung vorsichtig zu sein haben.
Für Calvin mag es ein einzelnes Ereignis gewesen sein, aber es kann
sich ebenso um einen längeren Prozess gehandelt haben. Entscheidend
ist das Resultat: Calvin hat bis zum Jahr 1534 eine "conversio"
erlebt, eine Hinwendung zum Evangelium, die ihn zu deutlichen Konsequenzen
veranlasst.
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